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Was mit meiner Spiritualität passiert ist, seit ich Deutschland verlassen habe…

Ich habe im März 2024 einen Artikel geschrieben, als ich noch in Berlin gelebt habe. Der Titel lautete “Warum ich meine Spiritualität zukünftig nicht mehr verstecken werde” und ihr findet ihn hier. Es gab nie zuvor einen Text, den ich geschrieben habe, der häufiger geklickt und gelesen wurde. Das ist absolut mindblowing, denn als ich […]

Jenny am Meer auf Kimolos während des Sonnenuntergangs - Symbol für Heilung, Weite und eine neue spirituelle Freiheit nach dem Abschied aus Deutschland

Ich habe im März 2024 einen Artikel geschrieben, als ich noch in Berlin gelebt habe. Der Titel lautete “Warum ich meine Spiritualität zukünftig nicht mehr verstecken werde” und ihr findet ihn hier. Es gab nie zuvor einen Text, den ich geschrieben habe, der häufiger geklickt und gelesen wurde.

Das ist absolut mindblowing, denn als ich das geschrieben hatte, war mir sehr wohl bewusst, dass die Aufmerksamkeitsspanne 2024 eigentlich nicht mehr für längere Blogposts reicht. Vermutlich hatte ich ihn mehr für mich selbst geschrieben. Und dann fliegen mir etwas zeitversetzt derart die Zugriffszahlen um die Ohren 🤯

Es ist ein Thema, das mich auch in den vergangenen 1,5 Jahren weiterhin beschäftigt hat. Ich bin 6 Monate nach dem Veröffentlichen dieses Artikels umgezogen von Berlin auf eine kleine griechische Insel in der Ägäis. Streng orthodox und sehr patriarchal. Und trotz alledem mit so viel mehr Luft zum Atmen!

Demzufolge habe ich auch in den vergangenen Monaten viel darüber nachgedacht, was da in Deutschland los ist mit dem Thema Spiritualität. Ich habe mich hier auf dem Blog auch in der Vergangenheit bereits intensiv mit der Rolle der Kirche in Deutschland auseinander gesetzt. Vor allem im Zusammenhang mit dem Thema Hexenverbrennungen.

Wir haben in Deutschland gleich zwei kollektive Traumata im Gepäck: Hexenverbrennungen und Holocaust

Man könnte also sagen, wir sind nicht nur super effizient darin, dichte Fenster zu bauen oder Türen, die lautlos ins Schloss fallen, sondern auch im Vernichten von Menschen, die nicht in unser Weltbild passen. Ich lebe jetzt in einem Land ohne dichte Fenster und Türen, aber auch ohne diese kollektive Schuld und Scham. Wie “deutsch” ich bin, realisiere ich, wenn die Menschen hier stolz Fahnen zum Όχι Tag schwingen.

Ich habe den Nationalsozialismus nicht miterlebt, aber alles in mir zieht sich zusammen, wenn Flaggen gehisst oder geschwenkt werden. Ich wurde in Deutschland geboren und entsprechend sozialisiert. Inmitten einer Mentalität, die Intuition klein macht, begrenzt und korrigiert.

Das spirituelle Trauma in Deutschland wirkt bis heute

Spirituelle Frauen im DACH Raum werden auch 2025 noch kritisch beäugt und diszipliniert. Die Ablehung im Namen der Wissenschaft? Nichts als ein sozialer Reflex. Spiritualität ist peinlich. Gefährlich. Naiv. Oder all das zusammen.

Sei nüchtern, rational und kontrolliert, dann ist alles gut. Gefühl? Unzuverlässig. Intuition? Verdächtig. Mystik? Gefährlich.

Die katholische Kirche hat im deutschsprachigen Raum Rituale monopolisiert, Naturspiritualität ausgerottet, weibliche spirituelle Praxis dämonisiert, eine Schuld- und Sühnekultur aufgebaut, die ihresgleichen sucht, alte Volksbräuche christianisiert, heidnische Rituale übernommen und umgedeutet und Intuition durch Gehorsam ersetzt. Der Protestantismus hat ein Fundament gegossen aus Rationalismus, Nüchternheit und Skepsis gegenüber allem Nicht-Materiellen. And here we go…

Ich möchte wetten, daraus resultiert das engste Spiri-Korsett in ganz Europa.

Und dieses Korsett äußert sich im Alltäglichen in Form von “Das ist doch Hokuspokus”, in “Team Wissenschaft” als Abgrenzung zu den Spiri Spinnern, im Labeln von Spiritualität als irrational und Esoterik als gefährlich und im Glorifizieren von Fakten.

Das wird auch ganz schamlos öffentlich ausgelebt und gefeiert. Diese Haltung zieht sich durch die Veröffentlichungen von Katharina Nocun und Pia Lamberty bis hin zur neuesten Staffel des Seelenfänger Podcasts über Vipassana Meditationen. Und damit meine ich die Grundhaltung, die der Auseinandersetzung mit dem Thema zugrunde liegt, nicht das vollkommen berechtigte Aufdecken oder Anprangern von Missständen.

Denn diese Grundhaltung ist in Deutschland allgegenwärtig.

Der gesamtgesellschaftliche Konsens rund um das Thema Spiritualität? Gefährlich und peinlich. Verdächtig und unseriös. Da sind sich alle einig.

Aber kommen wir zurück ins Hier und Jetzt und warum sich hier alles so anders anfühlt. Die Menschen hier haben nicht nur weniger Schuld und Scham auf ihrer epigenetischen Festplatte, sondern irgendwie auch einen viel offeneren Geist. Und den muss man vermutlich auch haben, wenn man Inselalltag, Orthodoxie und Mythologie unter einen Hut bekommen will. Ist es hier patriarchal und kirchlich? Zu 100%. Wird Spiritualität hier abgewertet? Nein.

Denn Griechenland hat kein Hexenverfolgungstrauma. Das Materielle und das Spirituelle wird hier nicht so getrennt wie in Deutschland. Spiritualität wird nicht pathologisiert und Intuition wird nicht per se als verdächtig eingestuft.

Ich will damit jetzt nicht behaupten, das Griechenland spirituell super liberal ist, aber wenn man aus einem Land kommt, das spirituell derart verwundet ist wie Deutschland, dann fühlt es sich so an.

Ja, man geht in die Kirche, aber man segnet auch das Boot oder hängt sich ein Mati als Schutzsymbol an den Rückspiegel des Autos. Man zündet Kerzen in Kapellen an, aber hat gleichzeitig Respekt vor den alten Göttern und erzählt Mythen ohne sich in Widersprüchen zu verheddern. Das alles erzeugt unweigerlich eine Weite, die in Deutschland nicht existiert.

Ich habe gestern in einer riesigen, internationalen Sound Healing Facebook Gruppe mit fast 100K Mitglieder*innen eine Frage gestellt und neben zahlreichen wertschätzenden Reaktionen genau zwei “enge” und belehrende Kommentare bekommen.

Es waren die einzigen Kommentare von deutschen Mitgliederinnen der Gruppe.

Das hat mir nochmal vor Augen geführt, wie frei und weit sich mein Spiri Anteil in diesem neuen Leben hier mittlerweile anfühlt und das war auch der Grund, diesen Artikel hier als Fortsetzung von “Warum ich meine Spiritualität zukünftig nicht mehr verstecken werde” zu schreiben.

Es war sehr still um mich in den sozialen Medien während der vergangenen Monate. Es hat sich so vieles verändert. Cosmic Sounds fühlt sich so echt an und wächst beständig. Die Aufrufe kommen nur noch zu 2% aus Deutschland. Der größte Teil der bisher 200.000 Aufrufe kommt aus Asien und Amerika.

Und dennoch erreichen mich immer mal wieder nörgelige Emails aus Deutschland…

Ich möge MOON MAIL doch bitte wieder auf Deutsch schreiben, weil das auf Englisch alles so anstrengend ist. Dass die Werbung in den Videos nervt. Und ich bin dazu übergegangen, auf diese deutschen Meckermails, die sich auf KOSTENLOSE Angebote beziehen, einfach nicht mehr zu reagieren.

Wer den Newsletter nicht auf Englisch lesen will, kann im Emailprogramm des Vertrauens einfach auf “Übersetzen” klicken. Wer die YouTube Sound Baths ohne Werbeunterbrechungen streamen will, kann sie einfach im Brave Browser öffnen. Aber vermutlich geht es gar nicht um diese kleinen Lifehacks.

Es gibt neben dichten Fenstern und Türen vieles, was ich hier in meinem neuen Leben vermisse.

Aber diese Mentalität gehört nicht dazu. Und so heilt hier gerade ein Teil von mir, der in Deutschland immer unerwünscht war.

Und falls dieser Artikel hier nun von Menschen gelesen wird, die das zu 100% nachfühlen können, dann möchte ich genau diesen Menschen mitgeben: Ihr seid nicht das Problem. Es sind so fest verankerte kollektive Traumata, gegen die ihr einfach nicht ankommen könnt.